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Ein historisches, gelbes, zweistöckiges Gebäude mit weißer Verkleidung und rotem Ziegeldach. Es hat mehrere Fenster, eine große hölzerne Bogentür, eine Tafel über dem Eingang, Topfpflanzen, eine Bank und einen kleinen Baum davor.

Wo alles begann

Eine denkmalgeschützte Bäckerei in der Heimatgemeinde von Familie Ströck in Kittsee ist mit großer Wahrscheinlichkeit der Ursprung der Ströck’schen Bäckereitradition.

Jetzt hat sich Gerhard Ströck des Hauses mit der bemerkenswerten Geschichte angenommen.

TEXT SEVERIN CORTI & FOTOS HARALD LEBAN

Eines ist sicher: Das stattliche, zweigeschoßige Haus mit der klassischen gelbweißen Fassade steht seit ca. 1750 an der Dorfstraße von Kittsee. Und es ist das Geburtshaus des in seiner Zeit weltberühmten Geigers und Komponisten Joseph Joachim (geboren 1831), der einen wesentlichen Einfluss auf wichtige Werke seiner Freunde, der Komponisten Johannes Brahms und Max Bruch, ausübte. Aber sonst verliert sich vieles im Dunkel der Geschichte, seit ein Großbrand um 1900 in Kittsee wütete und mit dem Pfarrhof viele historische Aufzeichnungen in Flammen aufgegangen sind.

Was noch zu finden ist, deutet aber darauf hin, dass die schöne Dorfbäckerei die Urzelle der Ströck’schen Bäckertradition ist. Der mächtige Holzbackofen in der Backstube ist bis heute im Wesentlichen funktionsfähig, bis in die späten 1960erJahre war er noch allnächtlich in Betrieb.

Eine Reihe alter, verwitterter Gebäude mit rissigen weißen Wänden und Holztüren steht neben einem grasbewachsenen Weg unter einem teilweise bewölkten Himmel. Die Szene hat eine rustikale, historische Atmosphäre.

Das Bäckereihaus aus den 1750er-Jahren ist auch Geburtshaus des großen Musikers Joseph Joachim. Es wurde noch bis vor drei Jahren bewohnt und steht heute unter  Denkmalschutz.

Ein Schwarz-Weiß-Foto von zwei Kindern und einem Mann, die vor einem Gebäude stehen. Ein weiterer Mann in einer Schürze steht in der Tür hinter ihnen und bedeckt seinen Mund teilweise mit der Hand. Ein Dreirad steht neben den Kindern.

Otto Hüttlinger (rechts im Hintergrund), Bäckermeister und Großonkel von Gerhard und Robert Ströck, mit seinem Schwiegersohn, dem damaligen Bürgermeister Konrad Frey.

ES IST FASZINIEREND, WIE PLÖTZLICH LICHT INS DUNKEL DER EIGENEN GESCHICHTE KOMMT, WENN MAN EIN WENIG GENEALOGIE BETREIBT“, SAGT GERHARD STRÖCK.

Ein alter, verwitterter Steinkamin mit zwei kleinen Metalltüren und einer rußverschmierten Öffnung vor einer rauen, verfärbten Wand in einem rustikalen Raum. Holzbalken und ein Teil eines gestreiften Vorhangs sind sichtbar.

Der mächtige, alte Brotbackofen wurde mit Holz beheizt und soll wie das gesamte Haus von Grund auf renoviert und instand gesetzt werden.

 Bäcker in sechster Generation

Aber schön der Reihe nach. Fix ist, dass im Jahr 1857* eine Bäckerei in Kittsee von der Gutsverwaltung des Fürsten Esterházy an einen aus Bayern stammenden Bäcker namens Johann-Michael Hüttlinger verpachtet wurde. Dieser Johann-Michael Hüttlinger war der Ururgroßvater der heutigen Ströck-Chefs Robert und Gerhard Ströck – dessen Sohn Philipp ist somit Bäcker in sechster Generation. Elisabeth Hüttlinger, verheiratete Ströck, war Johann-Michaels Enkelin – und Gerhard Ströcks Großmutter. „Es ist faszinierend, wie plötzlich Licht ins Dunkel der eigenen Geschichte kommt, wenn man ein wenig Genealogie betreibt“, sagt Ströck.

Eine rustikale, unordentliche Küche mit alten Holzmöbeln, Küchenutensilien und Geschirr, das sich auf einem Holztisch stapelt. Die Wände sind gefliest und verwittert, und ein roter Topf hängt an der Wand. Natürliches Licht fällt von links ein.

Das Haus steht unter Denkmalschutz und wurde bis vor drei Jahren noch von einer Tante der Familie bewohnt. Jetzt hat Gerhard Ströck sich des Hauses angenommen, in dem die Keimzelle der familieneigenen Bäckertradition zu finden ist. „Der Brotbackofen wird auf jeden Fall renoviert. Schon allein deshalb, weil es wunderschön zu sehen ist, mit welcher Technik unsere Vorfahren Brot gebacken haben,“ sagt Gerhard Ströck. Was genau die Zukunft des denkmalgeschützen Hauses bringen wird, steht aber noch in den Sternen.

Die genauen Daten fußen auf der Recherche von Hermann Klezath in der Domänendirektion Esterházy für sein Buch „Kittsee – Grundherrschaft und Markt, von den Anfängen bis heute /Band II“, Rema Verlag 2019.

Ein rustikaler, leicht abgenutzter Speisesaal mit einem Tisch, der mit einer gemusterten Tischdecke bedeckt ist, einem hölzernen Schrank, einem alten Ofen, alten Möbeln und abblätternden Putzwänden unter einer gewölbten Decke.