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Nahaufnahme mehrerer runder, goldbrauner Brötchen mit dunkler, glänzender Oberfläche, die in Reihen auf einem schwarzen Metallbackblech angeordnet sind.

Wie der Krapfen wird

Wir schauen den Krapfenmeistern bei Ströck über die Schultern.

Was das Geheimnis eines perfekten Krapfens ist? Vor allem: Zeit, Liebe und gutes, aber nicht zu viel, Fett. Um es genauer zu erkunden, haben wir den Krapfenmeistern der Bäckerei Ströck in der Backstube über die Schulter geblickt.

TEXT: TOBIAS MÜLLER | FOTOS: LUKAS LORENZ

Es gibt wenige Menschen, die sich so gut mit Krapfen auskennen wie Philipp Ströck. Der Bäckermeister der Bäckerei Ströck hat nämlich seine Meisterarbeit über den Krapfen geschrieben – genauer darüber, wie man ihn möglichst flaumig und gleichzeitig nicht zu fett bekommt. Mehr als 20 verschiedene Teige hat er damals ausprobiert und jeweils vor und nach dem Frittieren gewogen – und ist so mit viel Probieren und Experimentieren bei jenem perfekten Krapfenrezept gelandet, das bis heute in der Bäckerei Ströck verwendet wird. Wie gut es ist, beweisen nicht nur die Verkaufszahlen: Regelmäßig werden die Krapfen der Ströcks in Blindverkostungen zu den besten des Landes gewählt.

Was nun das Geheimnis des perfekten Teiges ist? Da gibt es gleich mehrere! Ein Krapfen besteht aus einem leichten Brioche-Teig – etwas weniger Fett, etwas weniger Ei, etwas weniger Zucker –, der dann nicht gebacken, sondern frittiert wird. Die Zusammensetzung des Teigs ist essenziell: Ist er zu mager, wird er nicht so herrlich mollig-flaumig, wie wir ihn lieben. Ist er aber zu fett, ist also zu viel Öl und Eigelb drin, saugt er auch später beim Frittieren mehr Fett auf. Die Ströcks halten ihren daher lieber auf der mageren Seite. Auch ein Schuss Rum im Teig hilft, das geht aber nur, wenn man nur für Erwachsene bäckt.

Den Krapfen schleifen

Für den Ströck’schen Krapfenteig werden zunächst alle Zutaten gemischt. Beim Krapfen sind bestes österreichisches Mehl, etwas Zucker, Sonnenblumenöl, Ei und Hefe enthalten. Die Ströcks setzen stur auf flüssiges Ei statt Trockenei – das ist zwar mühsamer und teurer, Philipp Ströck ist aber überzeugt, dass es einen Unterschied macht. Dann darf der Teig das erste Mal rasten, bevor er mit nassen Händen zu schönen Kugeln geformt wird – „geschliffen“, sagt der Bäcker dazu.

Nun kommt der erste, richtig entscheidende Schritt: Die Ströcks backen ihre Krapfen nicht gleich, sondern lassen sie erst einmal ordentlich lange rasten, dabei dürfen sie im Kühlraum sanft gären. Dabei entwickelt sich das wunderbare Aroma des Teigs.

Der zweite kleine Trick: das sogenannte „Absteifen“. Die Krapfen werden aus der Kühlung genommen und dürfen vor dem Backen leicht antrocknen, sodass sich außen auf dem Teig eine feine Haut bildet. So wie die richtige Fettmenge im Teig hilft das, dass er beim Frittieren möglichst wenig Fett saugt.

Nahaufnahme der blubbernden Hefemischung, des weißen Kristallzuckers und des Mehls, die vor dem Mischen der Zutaten aufeinander gestapelt wurden und unterschiedliche Texturen und Farben aufweisen.

1) Krapfenteig besteht aus Mehl, Ei, Butter oder Öl, Milch, Zucker und Hefe.

Ein Mann mit Haarnetz und weißem T-Shirt knetet oder streckt eine große Menge gelben Teigs in einem Metallbehälter in einer hellen, modernen Küche oder Bäckerei.

2) Die Zutaten werden zunächst gut gemischt, bis ein elastischer Teig entsteht …

Reihen von ungebackenen Brötchen sind auf Metallblechen aufgereiht, die auf verschiedenen Ebenen eines industriellen Backgestells angeordnet sind, bereit zum Backen.

3) … dann zu gleich schweren Kugeln portioniert. Nun dürfen sie eine zeitlang das erste Mal gären.

Nahaufnahme von Reihen kleiner, runder Teigkugeln auf einem Förderband in einer Bäckerei oder Fabrik, mit geringer Schärfentiefe, die den Teig im Vordergrund betont.

4) Danach werden sie in die schöne runde Form gebracht oder „geschliffen“, wie der Bäcker sagt …

Eine Person stellt ein Tablett mit ordentlich angeordneten, runden gelben Teigkugeln auf ein Gestell, das mit ähnlichen Tabletts in einer Bäckerei gefüllt ist.

5) … und noch einmal für einige Zeit bei niedrigen Temperaturen gären gelassen. Dabei entsteht der wunderbare Geschmack des Teigs.

Reihen von runden Teiglingen, die auf einem industriellen Fließband in Öl frittiert werden, wahrscheinlich in einer Fabrik für die Massenproduktion von Donuts oder ähnlichen Backwaren.

6) Nun geht es ins heiße Fettbad. Bei den Ströcks wird fürs Frittieren nur Sonnenblumenöl verwendet, keine tropischen Fette.

Nahaufnahme von runden Krapfen, die auf einem Förderband in einer Bäckerei oder Fabrik in Öl frittiert werden.

7) Eine spezielle Maschine wendet die Krapfen und sorgt für gleichmäßige Bräunung.

Nahaufnahme eines goldbraunen Gebäcks oder Doughnuts, das auf einem Metallförderband in einer Lebensmittelverarbeitungs- oder -herstellungsanlage entlangläuft, wobei im Hintergrund Maschinen zu sehen sind.

8) Nach kurzer Abtropf-, Rast- und Auskühlzeit …

Eine Person hebt mit einer Metallzange ein rundes, goldbraunes Gebäck oder einen Krapfen auf und hält in der anderen Hand ein anderes Gebäck. Der Hintergrund ist sanft verschwommen.

9) … bekommt der Krapfen sein köstliches Herz aus Kittseer Marillenmarmelade.

Ein lächelnder Bäcker mit Haarnetz und weißem Hemd mit der Aufschrift "Brot" hält einen mit Marmelade gefüllten Donut in einer Bäckerei hoch, während im Hintergrund Tabletts mit Brot stehen.

10) Voilà: Fertig ist die Krönung der Backkunst.

Sonnenblumenöl statt Tropenfette

Nun erst geht es ins heiße Fettbad: Die Ströcks frittieren bei 175 Grad und ausschließlich in reinem Sonnenblumenöl von einer speziellen Sonnenblumen-Züchtung, deren Öl besonders gut zum Frittieren geeignet ist. Oft werden Krapfen in Kokos- oder Palmfett frittiert, weil die den Vorteil haben, bei Raumtemperatur fest zu sein. Selbst zu fettige Krapfen fühlen sich dann weniger fettig an. Die Ströcks aber wollen keine tropischen Fette in ihren Krapfen verwenden.

Die fertig gebackenen Krapfen dürfen etwas abkühlen und abtropfen, bevor sie gefüllt und, je nach Krapfenart, etwa in Schokolade getaucht oder mit Mohn und Zucker bestreut werden. Ein Teil wird sofort frisch in die Filialen geliefert, ein Teil wird aber auch fixfertig gefüllt eingefroren – um an sehr krapfenstarken Tagen genug Ware bereit zu haben. Am Faschingsdienstag, dem wichtigsten Krapfentag des Jahres, verkauft Ströck etwa 300.000 Krapfen, die alle am Vortag zu produzieren ist unmöglich. Macht aber gar nichts. „Klar, ganz frisch aus dem Fett ist was anderes“, sagt Philipp Ströck. „Aber wenn sie einmal ausgekühlt sind, merkt man beim aufgetauten Krapfen überhaupt keinen Unterschied.“