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Ein Stapel von drei runden Brotlaiben auf einem weißen Kuchenständer, mit brennenden Wunderkerzen in Form der Zahl 50 auf der Spitze, vor einem hellblauen Hintergrund.

50 Jahre – Ist denn das zu backen?

Unsere Geschichte zum Jubiläum prominent nacherzählt von Barbara Van Melle.

Vor 50 Jahren eröffnete Johann Ströck eine kleine Bäckerei in Wien. Der Rest ist Geschichte.
Text: Barbara van Melle, Illustrationen: Olga Kawasinska

Ein Stapel von drei rustikalen Broten auf einem Kuchenständer mit Wunderkerzen in Form der Zahl 50 auf der Spitze vor einem mintgrünen Hintergrund.

Es gibt kein Geheimnis des Erfolgs. Wir haben nichts neu erfunden, wir sind nur unserer Tradition treu geblieben und haben vieles nie vergessen“, erklärt Gerhard Ströck die Unternehmensphilosophie der Bäckerei Ströck, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Ein Inserat steht am Beginn einer der größten Erfolgsgeschichten der österreichischen Bäckerszene.

1969 liest Johann Ströck, damals Bäckermeister im burgenländischen Kittsee, vom Verkauf einer Bäckerei „im Hoffnungsgebiet Wien-Donaustadt“. 80.000 Einwohner zählt der 22. Wiener Gemeindebezirk zu dieser Zeit, 2020 werden hier 190.000 Menschen leben. Für die Donaustadt hat eine Ära des Aufruchs begonnen, die großen Bauvorhaben – Donauinsel, UNO-City und U1 als erste U-Bahn-Linie Wiens – werden gerade in Angriff genommen. In diesen aufstrebenden Randbezirk zu investieren gilt als mutiges Unterfangen.

Schwarz-Weiß-Foto von zwei Bäckern in einer altmodischen Bäckerei, umgeben von Körben und Brot. Ein Mann und eine Frau sitzen; die Frau hält einen Korb. Der deutsche Text darunter beschreibt Johann Ströck, geboren 1922.

Johann Ströck wagt das unternehmerische Risiko, macht Schulden und eröffnet in der Langobardenstraße 9 die Bäckerei Ströck. Gebacken wird im Keller, in der gerade einmal 127 Quadratmeter großen Backstube arbeitet der Bäckermeister mit vier Gesellen und einem Lehrling, seine Frau Hilda kümmert sich mit zwei Angestellten um den Verkauf im darüberliegenden Geschäft.

Donnerstag ist Striezeltag

Das Sortiment ist klein und spiegelt das damalige Angebot einer typisch österreichischen Bäckerei wider: Roggenbrot, Mischbrot, Sandwichwecken, und nur ab Donnerstag gibt es Striezel und Gugelhupf, Faschingskrapfen nur im Fasching. Dazu kommen täglich 30 Mohnstriezerln, 120 Salzstangerln und 50 Wachauerweckerln. Ein Teil der Backwaren wird mit einem VW-Bus zu den damals noch bestehenden Märkten und Milchgeschäften des Bezirks ausgeliefert.

Eine deutsche Zeitleiste im Vintage-Stil veranschaulicht die Meilensteine der Bäckerei Ströck aus den Jahren 1970 und 1977, mit Fotos der Gründer, einem Bäckereiwagen und einer Riesenradgrafik im Hintergrund.

Das Geschäft läuft gut. Bis ein Schicksalsschlag alles verändert. 1977 erleidet Johann, 54-jährig, einen Schlaganfall, und die blutjungen Söhne, die beruflich anderes geplant hatten, müssen den Vater, der 24 Jahre lang halbseitig gelähmt bleiben wird, von einem Tag auf den anderen ersetzen.  „Ich wollte eigentlich nie Bäcker werden, ich wollte in eine Bank. Aber weil mich die Familie gedrängt hat, habe ich aus Trotz eine Lehre zum Konditor gemacht“, erzählt Gerhard Ströck.

Gaby steht Gerhard schon damals zur Seite, die beiden heiraten 1983. Sein Bruder Robert besucht zu diesem Zeitpunkt die HTL für Maschinenbau, auch dessen Frau Irene wird so wie Gaby im Unternehmen tatkräftig mitarbeiten. Am 1. 1. 1980 gründet das Brüderpaar Gerhard und Robert die Ströck Brot KG mit zehn Beschäftigten. Gemeinsam stemmt die Familie mit ihren MitarbeiterInnen in den nächsten Jahren fast Übermenschliches, in heißen Sommern klettert das Thermometer in der Backstube auf 50 Grad plus.

Eine blaugrüne Zeitleiste mit drei Schwarz-Weiß-Fotos zeigt: eine Bäckerei im Jahr 1989, Gabriele und Irene Ströck im Jahr 1991 und das Innere der ersten Filiale in Kaisermühlen, ebenfalls im Jahr 1991. Dekorative Weizenhalme umrahmen das Bild.

Lange Arbeitstage

Die Ströcks arbeiten bis zu 20 Stunden täglich nonstop, in dieser intensiven Zeit kommen auch Gabys und Gerhards Söhne Michael, und Philipp sowie Irene und Roberts Söhne Claus und Stefan zur Welt. Die beruflichen Anstrengungen lohnen sich, der Aufschwung ist nicht aufzuhalten.

Während in Wien unzählige Bäckereibetriebe unrentabel werden und aufgeben, das Greißlersterben einsetzt und sich die Supermärkte durchsetzen, investieren die Ströcks in den Ausbau des Feinkostangebots in den Filialen. Nun starten auch die Belieferung des Lebensmittelhandels und die Produktion von Tiefkühlteiglingen für die ersten Backshops, die Mitte der 1980er-Jahre in den Supermärkten des Landes Einzug halten.

Ein rustikaler Brotlaib mit der Aufschrift Bio-Bergsteigerbrot ist auf einem hellblauen Hintergrund abgebildet. Darüber steht ein deutscher Text, der die Einführung des Produkts im Jahr 1994 beschreibt. An den Rändern erscheinen dekorative Weizengrafiken.
Ein Schwarz-Weiß-Foto eines mehrstöckigen Industriegebäudes mit großen Fenstern und einem Schild mit der Aufschrift Stroh. Der deutsche Text darüber erwähnt die Eröffnung einer Produktionsstätte in der Lexergasse im Jahr 1999.

Die Bäckerei Ströck wächst unaufhaltsam. 1989 wird der neue Produktionsstandort in der Industriestraße in der Donaustadt bezogen, der Betrieb zählt jetzt 23 MitarbeiterInnen.
Jedes Jahr werden nun sieben bis acht Filialen eröffnet, die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steigt rapid – jährlich um 100 Menschen. In den 1990er-Jahren steht der nächste Aufbruch bevor.

„Bio“ kämpft sich aus der Marktnische, die Bäckerei Ströck ist wieder Vorreiter. „Ich war am Anfang skeptisch, Gaby war die Vordenkerin, sie hat die Chance und Bedeutung von Bioprodukten von Anfang an erkannt“, sagt Gerhard Ströck. Die Bäckerei Ströck wird zum Partner der neuen Marke Ja!Natürlich.

Der Erfolg macht die Ausweitung der Backstuben- und Kühlkapazitäten dringend notwendig. 1999 wird der zweite Betriebsstandort in der Lexergasse eröffnet, und vier Jahre danach feiert man den tausendsten Mitarbeiter.

Vorreiter bei Bio

„Die Umstellung auf Bio war ein großer Wurf“, ist Gerhard Ströck überzeugt. Österreich gilt heute als europäisches Vorzeigeland in Sachen Bio. Das Bekenntnis zu Qualität und Tradition prägt die Unternehmensphilosophie, deshalb werden heute wie anno dazumal Vanillecremen, Nuss- und Mohnfüllen nicht als Fertigprodukte zugekauft, sondern täglich frisch hergestellt.

Ein Zeitstrahl zeigt die Sportpatenschaften von 1991 bis 2020, mit Rudermannschaften, Olympioniken und dem Radfahrer Michael Strasser. Seit 2006 wird nur noch Fairtrade-Kaffee verkauft, und seit 2008 auch Bio-Kaffee. Inklusive Illustration einer Kaffeetasse.

Viele Entscheidungen sind visionär: Bereits 1995 wird Margarine aus der Backstube entfernt und durch Butter ersetzt. Wirtschaftlich gesehen ist das nicht nachvollziehbar, da Butter dreimal so teuer ist. Doch als wenige Jahre später die Transfette in den Lebensmitteln unter die Lupe genommen und als besonders bedenklich gebrandmarkt werden, sind die Backwerke der Bäckerei Ströck schon lange transfettfrei. Ähnliches gilt für Zusatzstoffe wie Emulgatoren, auf die seit 2008 in der Brotproduktion verzichtet wird, oder Ascorbinsäure in Mehlen sowie das Plastiksackerl, die man bei Ströck schon vor zehn Jahren aus den Filialen verbannt hat.

Zwei illustrierte Männer hängen ein Straßenschild mit der Aufschrift 22. Johann-Ströck-Gasse. Neben ihnen steht ein Sack mit Brot und Weizen mit der Aufschrift 2010. Darunter befinden sich Meilensteine für 2007 und 2012 in deutscher Sprache.

Eine Grafik mit der Jahreszahl 2014 und einem deutschen Text über Wiens erstes Farm-to-Table-Restaurant. Darunter befinden sich zwei runde Fotos: ein Gruppenporträt von fünf Personen und eine Person mit frisch geerntetem Gemüse.

Gemüse aus dem Garten

2014 wird Ströck-Feierabend im dritten Wiener Gemeindebezirk eröffnet, ein vollkommen neues Filialkonzept mit Backshop, Café und einem der trendigsten Restaurants der Stadt, getragen vom aufrichtigen Bekenntnis zu Regionalität, Saisonalität und gelebter Nachhaltigkeit. Das einzige Restaurant Wiens, das sich selbst mit Gemüse aus eigenem Anbau versorgt. Für Ströck-Feierabend wird auch eine eigene Brotlinie kreiert, langzeitgeführte, handwerklich gefertigte, großartige Weizensauerteigbrote nach französischem Vorbild, geprägt von
der Handschrift der nächsten Generation.

Seit 2014 gilt der „Ährencodex“, hundert Prozent des verwendeten Mehls kommen aus Österreich. Dazu gehört auch die alte Roggensorte Schlägler Roggen aus Oberösterreich. Anbauverträge mit den Bauern garantieren dafür, dass dieser herausragend schmeckende Roggen auch für künftige Generationen verfügbar sein wird. Das Denken in Generationen, das Bekenntnis zu ehrlicher Nachhaltigkeit, prägt die Bäckerei Ströck. In 50 Jahren, in nur einer Generation, ist der Betrieb zu einem erfolgreichen Unternehmen mit über 70 Filialen und 1.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewachsen.

Geblieben ist die Bäckerei Ströck in all diesen Jahren, was sie immer war: ein Familienbetrieb mit großer, täglich gelebter Leidenschaft für das Bäckerhandwerk.

Ein Croissant, ein Laib Schnittbrot und ein Baguette sind neben einem Text abgebildet, der die Meilensteine des Backens von 2016 bis 2020 hervorhebt und sich auf Bio-Brot und nachhaltige Verpackungen konzentriert.

DIE FAMILIE STRÖCK IM ÜBERBLICK

Ströck ist bis heute ein Familienbetrieb, in dem jedes Familienmitglied wichtige Aufgaben übernimmt.

Gerhard Ströck
Bäckermeister

Gabriele Ströck
Leitung Filialen, Marketing

Philipp Ströck
Bäckermeister

Robert Ströck
Logistik und Großhandel

Irene Ströck
Leitung Filialen, Marketing

Claus Ströck
Assistent der Geschäftsleitung