Griffig & Glatt

Ökologie und Ökonomie

Im Gespräch mit Dr. Franz Fischler, Prof. Dr. Hubert Dürrstein, Mag.a Hanna Simons und Hans Staudinger im Ströck Feierabend.

Das griechische Wort οἶκος verbindet etymologisch Ökologie und Ökonomie und es bedeutet so viel wie Haushalt. Die Ökologie ist die Lehre vom Naturhaushalt, also die Lehre vom Beziehungsgeflecht der Lebewesen und ihrer Umwelt. Die Ökonomie befasst sich indes mit den Gesetzen und der Ordnung des Haushaltens bzw. des Wirtschaftens. 

Text: Marianne Götzinger

Angela Merkel hat noch als Umweltschutzministerin in „Der Preis des Überlebens“ gesagt: „Es gibt kein konfliktfreies Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie.“

Dr. Fischler: Es gibt jedoch auch die Aussage: ,Ökologie ist Langzeitökonomie’. Konflikte zwischen Ökologie und Ökonomie entstehen, wenn Ökonomie nur kurzfristige Gewinnmaximierung als Ziel sieht. Das ökologische System setzt auf ein größtmögliches Gleichgewicht über lange Zeitperioden.

Ein Vergleich dazu: Stellen Sie sich eine Aktiengesellschaft vor. Der CEO ist verpflichtet, vierteljährlich die Gewinnmaximierung vorzunehmen. Das steht häufig im Widerstreit zu Projekten mit langfristigen Zielen.

Prof. Dürrstein: In dieser Aussage sind beide Ausrichtungen sehr dogmatisch dargestellt. In meinem Fachgebiet „Forsttechnik“ gibt es verschiedene methodische Ansätze, die unterschiedlichen Positionen in geeigneter Weise zu berücksichtigen. Die unterschiedlichen Interessensgruppen – zum Beispiel einerseits Gruppen aus dem Naturschutz und andererseits Eigentümer bzw. Vertreter des Tourismus mit eher ökonomischer Sicht – sind damit in der Lage, vernünftige Lösungen zu erarbeiten. Im Alltag sind Gegensätze vorhanden, das stimmt schon.

Mag.a Simons: Zum Zitat von Frau Merkel: Ja, Konflikte sind vorhanden, aber welche Beziehung ist schon konfliktfrei? Gerade die Organisation, die ich vertrete, der WWF, kann hier auf sehr erfolgreiche Kooperationen mit Unternehmen verweisen.

Hans Staudinger: In der konventionellen Landwirtschaft müssen wir für „Ineffizienzen“ weitgehend auch zahlen. Das längerfristige Betriebsergebnis hängt davon ab, wie nachhaltig wir mit der Ressource Boden umgehen. Ich kann auf natürliches Wachstum vertrauen. Klar, der Boden muss genährt werden. Wenn jedoch die Bodengare durch zu starke Bearbeitung zerstört wurde, wird die Neuaufbereitung aus ökonomischer Sicht teuer.

Gibt es Entwicklungen, ökologisches und ökonomisches Denken zu versöhnen?

Dr. Fischler: Wir sind gesellschaftspolitisch gesehen schon über die Diskussion „Ökologie vs. Ökonomie“ hinaus, wir müssen die dritte – die soziale – Dimension dazudenken. Erst dann ergibt sich ein nachhaltiges System. Dieses Konzept wurde ja schon in den Achtzigerjahren durch die Brundtland-Kommission (Weltkommission für Umwelt und Entwicklung) im Report „Unsere gemeinsame Zukunft“ definiert. Die internationale Wertegemeinschaft hat sich v.a. mit den SDGs (Ziele nachhaltiger Entwicklung) auf eine gemeinsame Umsetzung verständigt.

Helfen dabei weltweite Minimalstandards für alle mehr als Maximalstandards für einen winzigen Bruchteil der Erdbevölkerung?

Dr. Fischler: Abgesehen von der Vorbildwirkung, ja. Später wurde mit den Sustainable Development Goals (Ziele für nachhaltige Entwicklung) mit 1. Jänner 2016 die politische Zielsetzung der Vereinten Nationen für alle Staaten vereinbart. Alle Staaten sind eingebunden, egal ob weniger oder mehr entwickelt.

Wo sind die dringendsten Maßnahmen zu setzen, um diesen Zielen näher zu kommen?

Mag.a Simons: Österreich geht mit der Diskussion um die Staatszielbestimmung „Wirtschaftsstandort“ in der Verfassung leider gerade einen Schritt zurück. Das Dogma Wirtschaftswachstum wird zu Recht immer öfter infrage gestellt. Aber wir stellen uns in Österreich nach dem Gerichtsurteil zur dritten Piste am Flughafen Wien wieder die Frage, ob erfolgreiches Wirtschaften und Wohlstand vereinbar sind mit Umweltschutzpolitik. Ich dachte, da waren wir innerhalb Österreichs schon weiter.

Prof. Dürrstein: Gerade in der Umweltschutzpolitik – und in diesem Kontext möchte ich als eine neuere Ausrichtung die Bioökonomie nennen – hat sich in den letzten Jahren viel bewegt. Es gibt weltweit mittlerweile an die 50 nationale Bioökonomiestrategien. Generell hat sich rückblickend betrachtet, die Euphorie zum Thema Nachhaltigkeit, die nach Rio 1992 ausgelöst wurde, immer mehr eingebremst, da haben Sie recht. Ein Grund dafür war, dass die Balance der drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökonomie, Ökologie und soziale Komponente – zu wenig gegeben war und damit nicht alle Interessensgruppen angesprochen wurden. Es gibt außer den drei Säulen zumindest noch eine weitere zu bedenken: die kulturelle.

Zum Begriff Wachstum möchte ich eher von Entwicklung sprechen. Sie eröffnet ebenso Perspektiven, betrachtet aber eher unsere gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Hinweis auf die von Herrn Fischler bereits erwähnten Sustainable Development Goals). Nicht umsonst spricht man von natürlichen Grenzen des Wachstums, denn unsere Ressourcen sind begrenzt.

Mag.a Simons: Ein Lösungsansatz wäre, in Österreich eine ökosoziale Steuerstruktur einzuführen. Über das Steuersystem kann man lenken. Die Wirtschaft wünscht sich genauso wie Umweltschutzorganisationen langfristige Sicherheit und Rahmenbedingungen. Es fehlt uns teilweise der Plan. Wir haben das Klimaschutzabkommen, es hapert jedoch an der langfristigen Strategie für die Umsetzung. Unternehmen und auch Politik denken in zu kurzen Zyklen. Eine Legislaturperiode dauert fünf Jahre, die Ökologie benötigt viel längere Zyklen.

Dr. Fischler: Da gebe ich Ihnen recht, die Zyklen sind zu kurz. Wenn man zusätzliche Themen rund um die Nachhaltigkeit einführt, dann ist die Frage des Wachstums eine ganz zentrale. Im klassisch neoliberalen Denkmodell der Ökonomie ist Wachstum der alleinige Motor der Entwicklung, alles ist ihm unterzuordnen. Im Denken ist man da schon weiter gekommen, im praktischen Handeln wenig.

Die EU hat das Modell ‚Beyond GDP’ entwickelt. Verschiedene Kommissionen, unter anderem mit dem Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, haben weitere Modelle erarbeitet. Jedoch kein Modell hat Eingang in die Praxis gefunden. Die EU hat mit der ‚EU 2020 Strategie’ ein Konzept entwickelt, in dem sie sagt: „Es geht nicht um beliebiges Wachstum, sondern um qualifiziertes Wachstum. Wachstum muss ,smart, inclusive und green‘ sein.“ Im Moment sind wir jedoch in der ökologisch-wirtschaftlichen Entwicklung rückwärts gewandt. Eine Ursache dafür war die Weltwirtschaftskrise 2008. Wir sind seither nicht vom Fleck gekommen.

Wie können wir neue Impulse setzen?

Dr. Fischler: Meiner Meinung nach darf man Nachhaltigkeit nicht nur unter dem Blickwinkel „Einschränkungen“ sehen, sondern muss Chancen zur Weiterentwicklung erkennen, die Maßnahmen tauschen, um Chancen auch wahrzunehmen. Ein Beispiel: in der Landwirtschaft nicht nach der herkömmlichen Weise weiter zu arbeiten.

Hans Staudinger: Ich habe die von meinen Eltern übernommene Landwirtschaft auf Dammkultur umgestellt. Dabei werden die Schichten der Erde nur belüftet, nicht stark umgedreht. Mit einer speziellen Vorgehensweise werden lockere Dämme erstellt. Der Boden wird so aufgeschlossen, dass ein gesundes Mikroklima ermöglicht wird. Lockere Bearbeitung lässt eine nicht gepresste, sondern lose, krümlige Oberfläche entstehen. Nährstoffe, Sonnenlicht und Wasser können besser aufgenommen und gespeichert werden und die Dämme sorgen für ein eigenes Mikroklima. Es entstehen Temperaturunterschiede, denn das Sonnenlicht trifft unterschiedlich auf, und Luftzüge – der Boden atmet. 

Ich versuche mich vom Begriff der Nachhaltigkeit zu emanzipieren. Ein Baum ist ja nicht nachhaltig, er ist produktiv, er ist nützlich. Ich sage statt Nachhaltigkeit lieber Nützlichkeit. Die Natur ist ein guter Lehrmeister.

Mag.a Simons: Im ökologischen Zusammenhang sehe ich bei dem Begriff „Nützlichkeit“ einen Nachteil. Unter Nützlichkeit verstehen wir meist nur den ökonomischen Nutzen. Man spricht viel zu selten vom „Naturkapital“. Was hat die Natur für einen Wert? Den Wert eines Betriebsgebäudes zum Beispiel kann man in Büchern beziffern. Aber auch die Natur leistet Unglaubliches.

Prof. Dürrstein: Na ja, es ist ja kein Schaden, von Nutzen zu sprechen, wenn es dazu führt, ein Produkt richtig zu nutzen. Beim Holz ist der Begriff ‚Nutzen’ ganz richtig, zum Beispiel: Holzbauweise statt gleich thermischer Verwertung des Holzes und dann als Sekundärnutzung die energetische Verwertung. Viele Ansätze, die Stoffkreisläufe zu verbessern, sind da. Das Problem sehe ich eher bei der Politik, die von smart, green und inclusive spricht. Wie soll ein Landwirt smart, green und inclusive wirtschaften? Wir müssen auf die Umsetzbarkeit in der Praxis schauen.

Unsere Botschaft muss sein, den Nutzen des nachhaltigen Wirtschaftens verständlich zu machen. Welchen Beitrag jeder Bürger erbringen kann. Wie wir unser wirtschaftliches Handeln unseren Umweltgegebenheiten besser anpassen, ohne dabei unseren Wohlstand aufgeben zu müssen. Keiner von uns wird das wollen. Wir müssen Wohlstand neu definieren, nicht nur auf Konsum ausgerichtet. Es gibt auch noch andere Werte.

Mag.a Simons: Das sehe ich auch so, denn was habe ich davon, wenn ich zwar reich bin, jedoch wegen der Luftverschmutzung nicht atmen kann?

Dr. Fischler: Ich halte nichts davon, den Begriff ‚Nachhaltigkeit’ durch ‚Nützlichkeit’ zu ersetzen, dann gehen wir zurück zum Utilitarismus. Wir müssen nach vorne schauen.

Mir ist die Frage nach der Wertschätzung wichtig. Wohlstand bedeutet auch Freiheit, Eigenständigkeit und freies Entscheiden über unser Leben.

Hans Staudinger: Ich kann mich als Person jedoch nur nützlich in einer Gemeinschaft fühlen und nicht nachhaltig. Wir glauben, wir leben alle schon fünf vor zwölf. Angst lähmt und tötet die Kreativität, die aber notwendig ist, um Lösungen für unsere Probleme zu finden. Wir müssen Theorie und Praxis zusammenführen.

Endet die Bereitschaft zum Umweltschutz da, wo der Bürger/Konsument den Preis spürt?

Mag.a Simons: Wir sollten uns die Frage stellen, ob der Preis eines Lebensmittels, eines Produkts den Wert darstellt.

Hans Staudinger: Ich kann Ihnen ein Beispiel für das Missverhältnis geben: Eine Tonne konventionell produzierter Weizen wird oft nur um rund 135 Euro brutto verkauft. Eine Tonne Müll schlägt mit rund 180 Euro netto zu Buche.

Dr. Fischler: Sie haben recht, der Preis eines Produkts drückt nicht seinen Wert aus. Neue Forschungen aus der Verhaltensökonomie zeigen auf, dass einiges ohne finanzielle Entlohnung besser funktioniert, zum Beispiel beim Blutspenden.

Mag.a Simons: Wir sind uns also einig: Viele Werte sind nicht in Zahlen zu gießen. Unsere derzeitige Auffassung in der Ökonomie besteht jedoch darin, alles in Zahlen zu erfassen. Sozialer Ausgleich, gesundheitliche Versorgung, ein gutes öffentliches Schulwesen, gute Infrastruktur – dieser Mehrwert für den einzelnen ist nicht in Zahlen zu messen.

Dr. Fischler: Nur den Preis als Werterfassung zu sehen ist falsch. Der Preis ist jener Wert, bei dem ausreichend Produzenten bereit sind, zu erzeugen, und sich ausreichend Konsumenten finden, den Preis zu zahlen. Gerade in der Landwirtschaft ist nicht genügend Marktmacht durch den einzelnen Landwirt vorhanden, einen gerechtfertigten Preis einzufordern. Man hat versucht, durch Marktordnungen und später durch Ausgleichszahlungen diese Schwäche zu kompensieren. Beides hat nicht den gewünschten Erfolg gebracht, jetzt werden neue Überlegungen und wissenschaftliche Vorschläge in der EU erarbeitet.

Hans Staudinger: Der Preisanteil des landwirtschaftlichen Rohprodukts am Endprodukt ist eher minimal. Wir reden da von maximal zehn Prozent.

Kann ich als Person zur Ökologisierung der Ökonomie beitragen?

Mag.a Simons: Positiv ist, dass in Österreich das Bewusstsein für ökologische Maßnahmen, die Nachfrage nach Biolebensmitteln genauso wie nach regionalen, saisonalen Produkten kontinuierlich steigt. Aufholbedarf haben wir beim Bewusstsein bei der Frage, womit und wie wir uns ernähren. Wir in Österreich essen zu viel Fleisch, zu viele genießbare Lebensmittel landen im Müll. Hier kann man individuell ansetzen. In Wien werden so viele Lebensmittel weggeschmissen wie in Graz verkauft. Nur in Kooperation Wirtschaft, Konsument, Politik können wir neue Wege beschreiten.

Prof. Dürrstein: Ich glaube schon, dass der Konsument eine Möglichkeit hat, mitzubestimmen, in welche Richtung es geht. Man muss ja nicht alles kaufen. Hier sind wir wieder bei der Bewusstseinsbildung angelangt.

Dr. Fischler: Ein einzelner Konsument kann gar nichts ausrichten, organisierte Konsumentenverbände jedoch schon. Das ist ein guter Ansatz, um etwas zu bewegen.

Mag.a Simons: Ich warne jedoch davor, die Verantwortung allein auf den Konsumenten abzuwälzen. Alle tragen Verantwortung: der Handel, der Produzent, die Politik und der Konsument.

Dr. Fischler: Die wichtigste Voraussetzung aus Sicht des Konsumenten ist die Preistransparenz. Mit Monitoring und systematischer Marktbeobachtung kann man diese erreichen. Das ist eine der Forderungen wissenschaftlicher Gruppen innerhalb der EU.

Hans Staudinger: Wir haben bei uns am Hof eine Foodcoop gegründet. Die Preise sind hier transparent. Nicht nur Biobauern, sondern auch konventionell produzierende Landwirte sind dabei. Wir treten in einen Informationsaustausch mit unseren Kunden und innerhalb unserer Berufsgruppe.

Mag.a Simons: Der Austausch ist auch bei der saisonalen Verfügbarkeit der Produkte wichtig. Biogütesiegel und die Herkunftsbezeichnungen sind mittlerweile verlässliche Hilfestellungen. So kann der Konsument eine Entscheidung treffen.

Prof. Dürrstein: Ja, und er ist mündiger, als er dargestellt wird. Wir müssen die Kostenwahrheiten bei Produktion und Transport in die Öffentlichkeit tragen wie auch die ökologischen Auswirkungen der unterschiedlichen Produktionsweisen.

Dr. Fischler: Es gibt Verzerrungen innerhalb der Märkte. Niemand kann erklären, warum internationale Transporte, egal ob auf Seewegen oder per Luft, steuerfrei und damit subventioniert sind. Das ist auch eine Frage der Energieressourcen.

Ernährung ist ja nicht Selbstzweck. Mittlerweile gibt es mehr als zwei Milliarden übergewichtige Menschen. Die größte Zunahme an Betroffenen sehen wir in den sogenannten Schwellenländern. Einer der Gründe ist die überproportionale Zunahme des Fleischkonsums. Wir wissen, die Temperatur der Erde würde sich um zwei Grad allein deshalb erhöhen, wenn sich die Gesamtweltbevölkerung so fleischreich ernähren würde wie wir in Europa.

Prof. Dürrstein: Wir kommen wieder zu den Wohlstandsfaktoren und müssen unseren Lebensstil hinterfragen: Bodenverlust durch Verbauung, Auswirkungen auf unser Wasser durch konventionelle Landwirtschaft, Müllmanagement, das Wegwerfen von genießbaren Lebensmitteln.

Umweltbeziehungen sind meist so komplex, dass es eine große Herausforderung ist, diese Kausalzusammenhänge auch wissenschaftlich bis ins letzte Glied zu beweisen. Ohne plausible Beweise sind die Menschen jedoch kaum zu Verhaltensänderungen bereit, die sie als einschneidend empfinden.

Dr. Fischler: Da stellt sich die Frage, ob wir Menschen lernfähig sind oder nur aus Schaden klug werden.

Gibt es Anlass zur positiven Zukunftsaussicht?

Mag.a Simons: Das Klimaabkommen von Paris hat mich positiv gestimmt. Mit gutem Willen lassen sich die richtigen, langfristig ausgerichteten Entscheidungen gemeinsam treffen. Der Bewusstseinswandel zur Versöhnung ökologischer und ökonomischer Maßnahmen kann gelingen.

Hans Staudinger: Es ist ein Umdenkprozess in der Landwirtschaft zu spüren, auch wenn es noch Zeit braucht.

Prof. Dürrstein: Mit Zuversicht und daher als zukunftsweisend sehe ich die weltweiten Ansätze zur Bioökonomie verbunden mit dem Handeln in nachhaltigen Wertschöpfungskreisläufen, die eine integrale und systemische Betrachtungsweise erfordern – ohne die wird es nicht gehen. Die Wissenschaft ist gefordert, mit innovativen Ansätzen zu dieser Entwicklung beizutragen und in der Gesellschaft bedarf es eines Umdenkens hin zu einer Akzeptanz dieser neuen Ansätze.

Dr. Fischler: Wir müssen unsere Werteinstellung zu Lebensmitteln, aber auch zu anderen Dingen verändern, eine Landwirtschaft fördern, die weniger Ressourcen verbraucht, Naturkreisläufe wieder schließen und Zyklen berücksichtigen. Wir haben kein Problem, neun Milliarden Menschen zu ernähren, auch nicht mit nachhaltiger Landwirtschaft. Nicht alles muss auf hochtechnische Produktionsverfahren wie Gensaatgut umgestellt werden. Unsere Ernährungsgewohnheiten sollten sich in Richtung Wohlbefinden weiterentwickeln und wir müssen lernen, Zusammenhänge besser zu erfassen.