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Land schafft Leben

Land schafft Leben

Maria Fanninger erklärt, wie ihr Verein die Lebensmittelproduktion transparent macht.

Maria Fanninger und der Unternehmer und Bergbauer Hannes Royer aus Schladming wollen mit ihrem Verein die Produktion von Lebensmitteln in Österreich transparent machen. Wer mehr über die Produktionsbedingungen weiß, ist durch eine breitere Wissensgrundlage in der Lage, neben dem Preis weitere Werte in die
Kaufentscheidung miteinzubeziehen, so die Überlegung.

Ihr Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Produktionsweisen der österreichischen Landwirtschaft darzustellen und Bewusstsein für nachhaltige, regionale Ernährung zu schaffen. Gibt es da nicht viele unterschiedliche Interessen?

Land schafft Leben ist österreichischen Lebensmitteln auf der Spur. Wir zeigen transparent und durchgängig, wie Lebensmittel in Österreich produziert werden. Dabei beleuchten wir die gesamte Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über die Verarbeitungsbetriebe bis in die Gastronomie und den Handel. Zusätzlich konzentrieren
wir uns auf ökologische, ökonomische und gesundheitliche Aspekte.

Als unabhängiger und unpolitischer Verein geben wir den Konsumentinnen und Konsumenten so das notwendige Wissen, um deren Konsumentscheidung nicht ausschließlich über den Preis, sondern deren Werten entsprechend treffen zu können. Aktuell teilen 63 – große wie kleine – österreichische Produzenten, Verarbeitungsbetriebe, Erzeugergemeinschaften und Handelsketten dieses Anliegen mit uns. Bisher haben wir bereits 20 österreichische Lebensmittel recherchiert und deren Weg von der Landwirtschaft über die Verarbeitungsbetriebe bis in die Gastronomie und den Handel verfolgt. Wir zeigen transparent und wertfrei, was ist. Dabei widmen wir uns auch Themen, die unter Umständen stark emotional aufgeladen sind.

Ein Meilenstein in unserer Recherche war unter anderen das Schwein. Um unserem Anspruch, den Ist-Zustand bestmöglich zu beschreiben, gerecht zu werden, haben wir uns hier intensiv mit der konventionellen Schweinehaltung auseinandergesetzt. Immerhin werden über 97 Prozent der in Österreich gehaltenen Mastschweine konventionell gehalten, nach Branchenschätzungen stehen rund 80 Prozent davon auf Vollspaltenböden. Auch wenn diese Art der Tierhaltung vielen nicht gefällt, spiegeln diese 97 Prozent das Konsumverhalten der Menschen wider. Denn Schweinefleisch ist nach wie vor ein höchst preissensibles Produkt, und eine Preissteigerung aufgrund besserer Haltungsbedingungen in der Schweinemast ohne gleichzeitige Bewusstseinsbildung und Aufklärung auf Konsumentenseite würde lediglich zu einer geringeren Nachfrage nach heimischem Schweinefleisch führen.

Das Bild der Lebensmittelproduktion wird durch Werbung und Skandalisierung leider häufig verzerrt: Während uns die Werbung Bauernhofidylle vorgaukelt, stehen dem skandalisierende Dokumentationen gegenüber, die aufgrund der vermittelten Alternativlosigkeit häufig zu Resignation führen. Beides entspricht nicht der Realität. Also hat es sich Land schafft Leben zur Aufgabe gemacht, den Konsumentinnen und Konsumenten die Produktionsbedingungen und die Auswirkungen jeder einzelnen ihrer Konsumentscheidungen vor Augen zu führen. Denn nur, wem der Ist-Stand bewusst ist, kann auch etwas verändern.

Ist unser auch im internationalen Vergleich extrem hoher Fleischkonsum in erster Linie eine wertvolle Unterstützung der Landwirte oder Gefährdung für das Klima und die Zukunft des Planeten?

In Österreich werden pro Kopf und Jahr knapp 63 Kilogramm Fleisch gegessen. Die offizielle Empfehlung – etwa von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung – liegt hier je nach individuellem Bedarf bei rund einem Drittel dieser Menge. Auch wir vertreten die Ansicht: weniger Fleisch essen, aber dafür bewusster. Beim Kauf auf die Herkunft des Fleisches zu achten und darauf, wie das Tier gehalten und gefüttert wurde, zählt ebenso dazu wie das gesamte Tier zu verwerten und sich nicht auf die Edelteile zu beschränken. Deshalb zeigen wir, wie Fleisch in Österreich produziert
wird, wie die Tiere gehalten werden, welche Teile wie verwertet werden und wie viel Fleisch importiert und exportiert wird. So kann jeder seinen eigenen Werten entsprechend einkaufen – ob diese jetzt die eigene Gesundheit, Tierwohl, soziale Aspekte oder andere individuell wichtige Standards betreffen.

Die steigenden Zahlen laktose- oder glutenintoleranter Konsumenten sind in aller Munde. Jeder kennt inzwischen zahlreiche Menschen, die darunter leiden. Wie beleuchten Sie das Thema der verschiedenen Unverträglichkeiten?

Im Rahmen unserer Recherchen beschäftigen wir uns auch mit den Auswirkungen des jeweils recherchierten Lebensmittels auf unseren Körper. Dem Thema Unverträglichkeiten wird immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Der wissenschaftliche Tenor, der uns im Rahmen unserer Recherchen zum Thema Unverträglichkeiten welcher Art auch immer entgegenschlug, ist vor allem einer: Egal auf welchen Bestandteil der Ernährung fokussiert wird – dieser Fokus bewirkt immer eine Änderung des gesamten Essverhaltens. Wer beispielsweise auf Gluten verzichtet, verzichtet gezwungenermaßen auch auf den Großteil der Fertigprodukte und isst auch nicht schnell zwischendurch ein Wurstsemmerl. Verzichten wir also auf einen Bestandteil unserer Ernährung, setzen wir uns mehr damit auseinander, essen bewusster und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch gesünder. All das verändert das Gesundheitsbild des Menschen – eine Veränderung, die sich jedoch nicht eindeutig auf das Weglassen einzelner Komponenten wie Gluten oder Laktose zurückführen lässt. Da solche Themen für die Konsumentinnen und Konsumenten unbestritten von Relevanz sind, widmen wir uns diesen abseits unserer rein wissenschaftlichen Recherche im Rahmen diverser Formate auf unserer Website.

Land schafft Leben wird von zahlreichen Verarbeitungsbetrieben, Handelsketten und Erzeugergemeinschaften unterstützt, auch von der Bäckerei Ströck. Weiterführende Infos bietet die Website www.landschafftleben.at

MARIA FANNINGER
leitet den Verein „Land schafft Leben“, der bereits
seit 5 Jahren österreichischen Lebensmitteln auf der Spur ist. Im Herbst startet der Verein eine österreichweite Bildungsoffensive zum Thema Lebensmittel in den heimischen Schulen.