Griffig & Glatt,

Kaffee

Einen Kaffee zum Mitnehmen. Bitte?

Immer mehr Unternehmen konzentrieren sich auf nachhaltigere Verpackungsoptionen. Jede noch so nachhaltige Verpackung landet aber nun mal trotzdem in den meisten Fällen im (bestenfalls Recycling-)Müll. Richtig spannend werden daher alternative Entsorgungsoptionen bzw. Mehrwegangebote.
Text: Nina Mohimi

Die Geschichte des Einwegbechers to go

Das persönliche Geschirr war viele Jahrhunderte lang ein Maßstab für den gesellschaftlichen Rang. Vor allem Gläser waren ein Zeichen für Wohlstand und wurden oft nur kurz gereicht, um schnell daraus zu trinken und dann gleich wieder vom Personal abserviert zu werden. Zu kostbar waren die handgefertigten Gläser.

Es ist schwer nachzuvollziehen, warum es überhaupt zur breiten Nutzung von Einweggeschirr gekommen ist. Der Ursprung lässt sich, wenig überraschend, in den USA finden. Wie so oft bei Erfindungen, die später zum Komfort der Masse eingesetzt werden, ging es in erster Linie ums Überleben. Motiviert durch die Information, dass Keime übertragbar sind, hat Lawrence Luellen, ein Anwalt und Erfinder aus Boston, Anfang des 20. Jahrhunderts den „Health Cup“ erfunden. Sein Zweck war es, die damals üblichen Gemeinschaftströge (communal cups), aus denen jeder auf der Straße Wasser trinken konnte, zu ersetzen.

Heute wird kein Getränk öfter „zum Mitnehmen“ bestellt als Kaffee, denn im Gegenteil zu Tee, den man eher mit Entspannung, Geduld und Muße verbindet, ist Kaffee der Start von „etwas in Angriff nehmen“. Kaffee, der ursprüngliche Flügelverleih.

Die rund um die Uhr offene amerikanische Kioskkette 7-Eleven war übrigens die erste, die frischen Kaffee in To-go-Bechern landesweit in ihren Filialen angeboten hat.

Kaffee im Pappbecher? Das wird sich im Land der Kaffeehäuser nie durchsetzen!

Sag niemals nie! Es hat etwas länger gedauert, bis sich Kaffee zum Mitnehmen bei uns durchgesetzt hat. Plastik- oder Papierbecher waren lange Zeit nur ein Thema für Kaffeeautomaten in Ämtern, Krankenhäusern und anderen Wartezimmerbereichen oder Autobahnraststätten. Noch vor einigen Jahren hat man in den heimischen Kaffeehäusern entsetzte Blicke geerntet, wenn man nach einem Kaffee zum Mitnehmen gefragt hat.

Heute gibt es ihn sogar in Traditionshäusern wie AIDA oder den Oberlaa-Konditoreien. Ganz zu schweigen von jeder Menge winziger Kaffeeläden, die sich in den letzten fünf bis zehn Jahren von den inneren Gürtelbezirken aus in ganz Österreich etabliert haben.

Well, that escalated quickly…

Angeblich sind es inzwischen um die 34 000 (FN*) Einwegbecher, die in Österreich pro Stunde über den Tresen wandern. Eine Zahl, die zunächst fast absurd erscheint. Wenn man aber alleine daran denkt, dass viele Kaffeehäuser und Coffeeshops oft noch einen Becher mitgeben als zusätzlichen Hitzeschutz, ist die Menge schnell schlüssig. Vernünftige Recyclingmöglichkeiten werden bei Pappbechern leider zusätzlich noch erschwert durch die Beschichtung, die die meisten Pappbecher (innen) haben.

Bei diesen Mengen verlangen jetzt nicht mehr nur umweltschutzaffine Bürgerinnen und Bürger nach alternativen Lösungen. Von einer Kopie des deutschen Pfandsystems für Kaffeebecher über eine Plastikverpackungssteuer (Ähnliches gibt es in Dänemark schon) bis hin zum kompletten Verbot von Einwegverpackungen (wie es in Frankreich ab 2020 sein soll) gibt es jede Menge Ideen, die inzwischen auch bei uns langsam ihren Weg in die Politik finden. Was dabei allerdings tatsächlich vom heimischen Gesetzgeber vorgegeben wird und ob das überhaupt passiert, bevor es eine EU-weite Richtlinie gibt, bleibt abzuwarten.

Sicher ist auch, dass Einwegbecher zwar ein schön greifbares Beispiel für den Verpackungswahnsinn sind, allerdings leider nicht das einzige. Von Plastikverpackungen für Jausenweckerln bis zu den Einkaufssackerln hat man alleine beim Lebensmitteleinkauf viele Bereiche, in denen man täglich mit vermeidbarem Müll konfrontiert ist.

Der eigentliche Vorteil – der hygienische Aspekt – von Einmalgeschirr und -verpackungen wurde nämlich recht bald ersetzt durch die gewonnene Kosteneffizienz für Unternehmen.

Einmalgeschirr beispielsweise ist günstig in der Herstellung, in der Lagerung und muss nicht (zeitaufwendig) nach der Verwendung gereinigt werden.

Kosteneffizienz wird übrigens zwar von Unternehmen priorisiert, allerdings auch deshalb, weil es von uns Konsumentinnen und Konsumenten diktiert wird.

Die Preissensitivität der Österreicher bei Produkten des Alltags ist sehr hoch. Bewegungen im einstelligen Centbereich sind kaufentscheidend – besonders wenn es sich um eine Verteuerung eines bestehenden Produkts handelt. Würde man also den Preis eines Produkts verteuern, um eine nachhaltige Verpackungsoption zu ermöglichen, riskiert man nicht nur ein erhöhtes Beschwerdeaufkommen, sondern tatsächliche finanzielle Einbußen.

Bei Ströck hat man bereits Ende 2012 flächendeckend in allen Filialen sämtliche gratis Plastik-Einkaufssackerln abgeschafft und durch recycelbare Papier- bzw. vergebührte Stoffsackerln ersetzt. Das kam nicht gleich bei allen Kunden gut an, die Familie Ströck hat gemeinsam mit ihren geduldigen Filialmitarbeiterinnen und -mitarbeitern den Mehraufwand bei der Aufklärung und dem Beschwerdemanagement allerdings in Kauf genommen – für die gute Sache.

Mit der Umstellung auf Papier- und Stofftaschen konnten seit 2012 inzwischen schon beinahe 100 Tonnen Plastikmüll eingespart (FN**) werden. 

Auspacken, einpacken oder doch einfach vor Ort genießen?

Generell ist das gesamte Thema nachhaltiger Verpackungen kein leicht zu lösendes.

Angefangen dabei, dass sich die Konsumentinnen und Konsumenten nicht einig sind: Während immer mehr Menschen Gefallen an unverpackten Lebensmitteln finden, gibt es die große Mehrheit, die gerne zum beschichteten Papier noch eine Serviette und eine Papiertüte braucht. Sei es, um die Produkte vor Außeneinwirkungen zu schützen oder aber auch etwa die Handtaschen vor möglichen austretenden Flüssigkeiten oder Krümeln.

Dazu kommen noch die geltenden Hygienevorschriften, die Verpackungen vorschreiben. Zu groß ist auch im Handel die Angst vor Keimen. Will man beispielsweise in einem Supermarkt Wurstwaren in einem mitgebrachten Behälter eingepackt bekommen, wird der Wunsch meistens verwehrt, da nicht sichergestellt werden kann, dass der fremde Behälter auch entsprechend keimfrei ist. Dahinter steckt freilich zum großen Teil auch der (verständliche) Selbstschutz der Unternehmen, die sich nicht mit resultierenden Schadensfällen und Beschwerden beschäftigen wollen.

Zusätzlich wird auch immer mehr Verpackung benötigt, um Bioprodukte von konventioneller Ware zu trennen – übrigens auch eine gesetzliche Vorschrift. Dabei geht es darum, z. B. die Schale von Bioprodukten vor Kontakt mit Produkten, bei denen künstliche Spritzmittel eingesetzt wurden, zu schützen. Und nachdem es weniger Bioware als konventionelle gibt, verpackt man lieber die kleinere Menge. Klingt absurd, ist es zum Teil auch.

Aber selbst bei der Art der nachhaltigen Verpackung sind sich Experten nicht immer einig. Glas? Mehrwegplastik? Es gibt ja inzwischen auch Bio-Plastikfolie, die aus Biomais hergestellt wird. Fraglich ist dabei allerdings, ob es wirklich Sinn macht, einen (wenn auch biologischen) Monokulturanbau zu fördern, nur um Sachen zu verpacken, die eventuell gar nicht verpackt werden müssten.

Auch Recycling ist nicht der Weisheit letzter Schluss, denn wenn, dann sollte es auf jeden Fall in Richtung Mehrweg gehen, damit Müll überhaupt vermieden wird. Becher für Heißgetränke sind beispielsweise eine der am leichtesten vermeidbaren Verpackungen überhaupt. Für kaum etwas gibt es so eine große Auswahl an wiederbefüllbaren Alternativen.

Der Großteil der Konsumentinnen und Konsumenten braucht heute allerdings mehr als nur die Aufklärung und Information zu dem Thema. Es braucht die (einfache und bequeme) Verfügbarkeit, damit Mehrwegprodukte auch tatsächlich im Alltag genutzt werden. Deshalb gibt es auch zum Beispiel in allen Ströck-Filialen wiederbefüllbare KeepCups zu kaufen. Diese können die Temperatur der Heißgetränke lange halten und sind (im Gegenteil zu Pappbechern) komplett geschmacksneutral – was gerade für Kaffeeliebhaber besonders oft ein Thema ist. Die Ersparnis zum Pappbecher wird den Kundinnen und Kunden übrigens direkt weitergegeben – ganz gleich, ob man mit einem KeepCup kommt oder jedem anderen wiederbefüllbaren Behälter.

Der einfachste und schnellste Weg, um Müll zu reduzieren, ist der Verzicht auf Verpackungen und Einmalgeschirr. Ob man sich sein Brot in eine Stofftasche geben lässt, sein eigenes Verpackungsmaterial mitbringt oder einen Mehrwegbecher verwendet – selbst eines davon ist schon ein guter Anfang.

Unsere liebste Variante ist übrigens, ganz aufs „Mitnehmen“ zu verzichten und lieber gemütlich vor Ort einen Kaffee mit einem Croissant (Pierres Croissant, versteht sich) zu genießen. Ganz ohne Müll, dafür mit viel Entspannung.